Gebirge


Gebirge

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Ge|bir|ge [gə'bɪrgə], das; -s, -:
zusammenhängende Gruppe von hohen Bergen:
die Alpen sind das höchste Gebirge Europas; in den Ferien fahren wir meist ins Gebirge.
Syn.: Berge <Plural>, Massiv.
Zus.: Hochgebirge, Mittelgebirge.

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Ge|bịr|ge 〈n. 13
1. zusammenhängende Gruppe von Bergen u. Tälern (Hoch\Gebirge, Mittel\Gebirge)
2. 〈Geol.; Bgb.〉 größere, der Form u. Entstehung nach zusammengehörige Gesteinsmassive
3. 〈fig.〉 aufgeschichtete, aufgetürmte Menge von Dingen
● ins \Gebirge fahren, reisen; den Urlaub im \Gebirge verbringen; ein kunstvolles \Gebirge aus Schlagsahne und Eis; ein \Gebirge von Akten türmte sich auf seinem Schreibtisch [→ Berg]

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Ge|bịr|ge , das; -s, - [mhd. gebirge, ahd. gibirgi, eigtl. = Gesamtheit von Bergen; Kollektivbildung zu 1Berg]:
1.
a) zusammenhängende, durch Täler gegliederte Gruppe von hohen Bergen:
ein hohes, kahles, vulkanisches G.;
im G. wandern;
Ü ein G. (eine große, sich auftürmende Masse, ein Berg) von Schutt, Akten;
b) Gegend mit Gebirge (1 a):
in den Ferien ins G. fahren.
2. (Bergbau) Gesteinsschichten, die Lagerstätten umschließen.

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Gebirge,
 
1) Bergbau: das gesamte Gestein, das eine Lagerstätte oder einen Grubenbau umgibt.
 
 2) Geowissenschaften: räumlich geschlossene, höhere Teile der Erdoberfläche, die sich von der tieferen, ebeneren Umgebung durch einen mehr oder weniger deutlichen Gebirgsfuß absetzen. Liegt ein Berg- oder Hügelland dazwischen, so ist das eigentliche Gebirge oft schwer abzugrenzen, ähnlich wie auch die Abgrenzung von Gebirgen untereinander oft rein konventioneller Art ist. Die absolute Höhe eines Gebirges ist die über dem Meer, die relative die über seiner Umgebung.
 
Am gebräuchlichsten ist die Einteilung der Gebirge nach den relativen Höhenunterschieden in Hochgebirge und Mittelgebirge. Bei Letzteren ist die relative Höhe kaum größer als 1 000 m; Grate sind selten, die Gipfel abgerundet, breite Kämme und gewölbte Rücken herrschen vor (Schwarzwald, Böhmerwald, Erzgebirge). Bei größeren Höhenunterschieden stellen sich die Formen des Hochgebirges ein mit steilen Hängen, schmalen Graten und schroffen Gipfeln, in Mitteleuropa ab 1 500 bis 2 000 m über dem Meeresspiegel. Fast immer ragen Hochgebirge über die Waldgrenze auf, meist reichen sie noch in die Zone des »ewigen Schnees« (Schneegrenze), wo Eis und Gletscher das Steilrelief verstärken (Alpen, Kaukasus, Himalaja).
 
Nach der Gestaltung der Gipfelregion werden Gratgebirge (z. B. Taunus), Kammgebirge (Riesengebirge), Kuppengebirge (Frankenwald) und Plateaugebirge (Schwäbische Alb) unterschieden, nach dem Grundriss Kettengebirge (fast alle Gebirge vom alpinen Typ) und Massengebirge oder Massive mit gedrungenem Grundriss (Harz, französisches Zentralmassiv).
 
 
Gebirge entstehen durch das Zusammenspiel endogener und exogener Kräfte, und zwar erst nach der oft bis in große Tiefen reichenden geologisch-tektonischen Gebirgsbildung (Orogenese) durch die nachfolgende Hebung; ihre geomorphologische Ausgestaltung erfahren die Gebirge durch die Abtragung. Eine Besonderheit stellen die aus magmatischem Material um verschiedene Eruptionspunkte aufgebauten vulkanischen Gebirge dar.
 
Nach dem tektonischen Bau unterteilt man die Gebirge in: 1) die geologisch jungen Faltengebirge (einschließlich der durch Bildung von Decken entstandenen Deckengebirge), die durch seitlichen Druck zusammengepresste und in Falten gelegte Teile der Erdkruste darstellen und deren Faltenbau zum Teil mit dem geomorphologischen Erscheinungsbild übereinstimmt (z. B. Alpen), 2) die Bruchfalten- oder Faltenschollengebirge, an deren Ausgestaltung Bruchbildung und Faltung gleichermaßen beteiligt sind, und 3) die Block-, Bruch- und Schollengebirge, bei denen die altgefalteten Massen, die zu Rumpfflächen abgetragen und eingeebnet worden waren (Rumpfgebirge, z. B. Rheinisches Schiefergebirge), in einer jüngeren Faltungsära wegen zu großer Starrheit nicht nochmals gefaltet, sondern in einzelne, gegeneinander horizontal und vertikal verschobene Schollen zerlegt und gehoben wurden (Rumpfschollen-, Pultschollen-, Horstgebirge u. a.); zu Letzteren gehören die meisten deutschen Mittelgebirge.
 
 
Das Klima des Gebirges ist gegenüber dem Klima des umliegenden Landes modifiziert, und zwar durch geringere Temperatur als Folge ihrer Abnahme von 5-6 ºC je 1 000 m Höhe, intensivere Einstrahlung wegen verminderter Dichte der Atmosphäre sowie geringerem Dunst- und Wassergehalt, erhöhten Niederschlag im Luv durch Stau am Gebirge und vielfältige Lokalwinde, z. B. Berg- und Talwind, katabatischer Wind (katabatisch), Föhn, sowie Verstärkung großräumiger Strömungen in engen Tälern (Düsenströmung). Durch einen oder mehrere dieser Faktoren kommt es zu stärkeren Temperaturgegensätzen zwischen den sonnigen und schattigen Bereichen, raschem Wechsel von Feucht- und Trockengebieten auf kurzen Entfernungen und einem erhöhten Schneeanteil am Niederschlag. In mittleren Breiten wird im Winter bisweilen eine Zunahme der Mitteltemperatur am Hang oberhalb der in Tallagen oft für lange Zeit liegenden Kaltluftmassen beobachtet. In den Tropen liegt in Höhe des Kondensationsniveaus die feuchte Nebelwaldzone; der Niederschlag hat dort sein Maximum in etwa 1 500 m über dem Meeresspiegel und nimmt darüber auch bei günstiger Exposition wieder leicht ab.
 
 Pflanzen und Tiere
 
Eine für die jeweilige Höhenstufe charakteristische Pflanzenformation ergibt sich aus den in den verschiedenen Höhenlagen unterschiedliche Temperatur-, Niederschlags- und Einstrahlungsverhältnissen. In den gemäßigten Breiten z. B. folgen auf Wärme liebende Eichenmischwälder und Kiefernbestände sowie in sehr trockenen Lagen Steppenheidevegetation (kolline Stufe) zunächst Mischwälder, v. a. aus Buchen, Bergahorn und Eichen (submontane Stufe), dann v. a. Fichtenwälder (montane Stufe). Jenseits der Waldgrenze schließt sich bis zur Baumgrenze Krumm- und Zwergholzvegetation an (subalpine Stufe), der bis zur klimatischen Schneegrenze Grasfluren, Polsterpflanzen und verstreute Zwergsträucher folgen (alpine Stufe). Die Höhengrenze der Vegetation in der nivalen Stufe wird (an schneearmen Stellen) durch Moose und Flechten sowie einige Gräser, Gletscherhahnenfuß und Alpenleinkraut als einzige Blütenpflanzen geprägt. In den tropischen Gebirgen haben sich dagegen ganz andere Höhenstufen der Vegetation ausgebildet (Tierra); hier folgen den immergrünen Tieflandsregenwäldern und Savannen in ihrem Fußbereich die Gebirgsregen- und Nebelwälder, dann die Höhenwälder und schließlich die Grasländer des Páramo und der Puna; unterhalb des ewigen Schnees ist dieser Bereich zum Teil auch vegetationslos.
 
 
Die Höhenlage mit dem meist raueren Klima, die andersartige Vegetation, häufigeres Vorkommen von anstehendem Gestein und Felswänden und das Auftreten dauernd feuchter Engtäler bewirken, dass die Gebirge häufig von anderen Tieren besiedelt werden als das Tiefland. Im deutschen Mittelgebirgsbereich sind solche Unterschiede noch gering; typische Gebirgstiere in Mitteleuropa sind z. B. Gämse (deren Stellung in Nordafrika das Mähnenschaf, in Südamerika das Guanako einnimmt), Murmeltier, Tannenhäher, Zitronengirlitz, Apollofalter, einige Heuschreckenarten sowie Tiere, die an Felsen oder an andere im Gebirge häufig auftretende Biotope, wie etwa Schluchtwälder, gebunden sind, so z. B. Schnecken, Gliederfüßer, Mauerläufer.
 
Eine besondere Gruppe stellen die Bewohner der Gebirgsbäche dar; diese sind an kalte, schnell fließende Gewässer gebunden, wie sie im Tiefland nicht auftreten, z. B. die Äsche, einige Stein- und Köcherfliegenlarven. Eine weiter gehende Anpassung an das Gebirgsleben zeigen die den Bereich oberhalb der Baumgrenze bewohnenden Hochgebirgstiere. Bei ihnen führen niedrige Temperaturen zu einer Entwicklungsverlangsamung (nur eine Jahresgeneration bei Schmetterlingen, Überwintern von Kaulquappen), in Verbindung mit hoher Luftfeuchtigkeit oft zum Dunklerwerden (Melanismus); Insekten neigen zur Bildung kurzflügeliger Formen. Viele Arten scheinen an bestimmte Höhen gebunden zu sein (stenozone Arten), wobei auch nur die Bindung an bestimmte klimatische Faktoren eine Rolle spielen kann. Bei räumlicher Isolierung durch tiefe Täler kommt es zur Bildung von Unterarten (z. B. Eidechsen in den Anden, Apollofalter in den Alpen). Unter Hochgebirgstieren sind Arten häufig, die infolge der Erwärmung des Klimas nach der Eiszeit verdrängt wurden und nun in der alpinen Stufe der Hochgebirge eine letzte Zuflucht gefunden haben.
 
 Mensch und Gebirge
 
Das steile Relief und das rauere Klima erschweren dem Menschen den Nahrungserwerb. Die Hochregionen der Hochgebirge sind, abgesehen von zeitweilig bewohnten Alm- und Unterkunftshütten, menschenleer. Siedlungen im Gebirge finden sich besonders auf Talböden, an Hangterrassen, in Becken und auf Hochflächen; sie können (wie in Tibet und Bolivien) bis in 5 000 m über dem Meeresspiegel vordringen. Wo Gebirge durch den Bergbau erschlossen wurden (Erzgebirge), weisen sie eine verhältnismäßig starke Besiedlung auf. Auch unabhängig vom Bergbau hat sich in tropischen Gebirgen (peruanisch-bolivianischem Hochland, Mexiko, Ostafrika), wo ein gegenüber dem feuchtheißen Tiefland milderes Klima herrscht, vielfach eine dichtere Besiedlung und höhere Kultur entwickelt. Vielfach sind Gebirge aber Zufluchtsstätten verdrängter Völker (Basken in den Pyrenäen, Rätoromanen in den Alpen, Kaukasusvölker), die hier ihre Sprache, Eigenart und Selbstständigkeit verteidigen. Im Wirtschaftsleben der meisten Gebirge überwiegen Viehzucht (Alm, Transhumanz) und Waldwirtschaft; zunehmend werden jedoch die Wasserkräfte nutzbar gemacht und die industrielle Entwicklung gefördert. In den Trockengebieten der Erde sind die in feuchtere Höhen hinaufreichenden Gebirge bevorzugte Ackerbaugebiete. Der Verkehr meidet Gebirge, er sucht sie zu umgehen; wo dies nicht möglich ist, sind oft gewaltige Kunstbauten für Straßen und Eisenbahnen entstanden (Alpenstraßen [Alpen], Gebirgsbahnen). Durch Bergsteiger wurden auch die entlegensten und höchsten Gebirge in großen Zügen erschlossen; v. a. in industrialisierten Gebieten sind heute fast alle Gebirge Anziehungspunkte des Fremdenverkehrs, wozu v. a. Bergbahnen beitragen.
 
 
E. R. Ricciuti: Knaurs Tierleben im G. (a. d. Engl., 1978);
 H. Franz: Ökologie der Hoch-G. (1979);
 C. Rathjens: Geographie des Hoch-G. Bd. 1: Der Naturraum (1982);
 
Trop. G. Ökologie u. Agrarwirtschaft, hg. v. W. Haffner (1982);
 
Die Welt der G., bearb. v. A. Baumgartner (Neuausg. 1983);
 
Natural environment and man in tropical mountain ecosystems, hg. v. W. Lauer (Wiesbaden 1984);
 
Hoch-G. der Erde u. ihre Pflanzen- u. Tierwelt hg. v. G. Klotz (Leipzig 1989);
 R. G. Barry: Mountain weather and climate (London 21992).

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Ge|bịr|ge, das; -s, - [mhd. gebirge, ahd. gibirgi, eigtl. = Gesamtheit von Bergen; Kollektivbildung zu Berg]: 1. a) zusammenhängende, durch Täler gegliederte Gruppe von hohen Bergen: ein hohes, kahles, vulkanisches G.; im G. wandern; Ü ein G. (eine große, sich auftürmende Masse, ein Berg) von Schutt, Akten; ein G. aus Trillionen Weizenkörnern (Kant, Impressum 142); das G. ihrer Brüste (Remarque, Obelisk 303); Neben dem unübersehbaren großen Heer der Toten erhebt sich ein G. menschlichen Leids (R. v. Weizsäcker, Deutschland 16); b) Gegend mit ↑Gebirge (1 a): in den Ferien ins G. fahren. 2. (Bergbau) Gesteinsschichten, die Lagerstätten umschließen.

Universal-Lexikon. 2012.

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